Samstag, halbvier morgends in Tambobo, es ist stockdunkel, ein paar Hähe krähen schon, die Wecker klingeln im Volunteershaus in der Bucht. Lilith und Madeleine stehen nach nur vier Stunden Schlaf mühsam auf, mit der großen Frage im Kopf: Warum zur Hölle machen wir das eigentlich?!

Doch die Frage wird igoriert, noch im Halbschlafen sitzen sie in weißen T-Shirts im Auto nach Siaton, denn heute ist der große Tag - Funrun in Siaton! Um vier ist Treffpunkt, die zwei pünktlichen Deutschen kommen aber wie so oft selbst zu philippino time zu spät und erwischen gerade noch den letzten Truck, der die Teilnehmer zum Start bringt. Immernoch im Dunkeln werden sie 6 km auf dem Highway nach Norden verfrachtet. Das Geld der Teilnahme- und Shirtgebühr kommt dem Stipendienprogramm von Siaton zugute. Sie werden in der Kathegorie "Senior" 19+ antreten. Funrun scheint allerorts beliebte Events zu sein, beliebt allerdings fast ausschließlich bei der männlichen Bevölkerung, wie sich auf diesem wurderbaren Bild gut erkennen lässt.

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Eine Trommelband auf einem Truck feuert schon eifrig die Läufer an, währrend auf den Mayor gewartet wird, der den Startschuss gibt. Es wird langsam hell, der Mayor ist da. Los gehts!

6 km auf unabgesperrtem Highway, es ist zum Glück noch etwas frisch, ab und zu überholt ein ungebremster Ceresliner mit lautem Hupen die Läufer. Die wenigen anderen weiblichen Läuferinnen - man munkelt es gab sie - haben anscheinend aufgegeben, zumindest trafen sie nie im Ziel ein. In diesem werden Lilith und Madeleine  gleich nach ihren Namen gefragt, um sie für die Preise des 1. und 2. Platzes weibl. zu erfassen. Den Preis sollten sie allerdings niemals in ihren Händen halten, es stellte sich heraus es gibt nur Platz 1-3 allgemein, die die durchtrainierten Teilehmer der Army und ähnliche Läufer erhalten.

Zeit für Groll blieb den beiden jedoch nicht, kaum waren sie zum stehen gekommen, um der Siegerehrung der Männer zuzuschauen, da wurden sie auch schon aufgefordert, den Ehrernplatz zwischen Mayor und Armeeoffizier einzunehmen. Professionell wie die beiden sind, ließen sie sich natürlich nicht anmerken, dass Lilith mit ihrem roten Kopf viel lieber geduscht hätte und Madeleine verschwieg gekonnt, dass sie mangels Sporthose ihre Schlafanzughose trug. Durch die Lautsprecher wurden sie über den ganzen Platz angekündigt, daraufhin tauchten zahlreiche Fotografen auf, deren Spreicherkarten die Beiden nur zu gerne beschlagnahmt hätten. Zur Krönung auch noch einer mit Videokamera, dessen Film am Abend bei "battle of the bands" in der Gym gezeigt wurde, wie sie später von Kindern im Learning Center erfuhren, die ihre Vonlunteers wiedererkannt haben. Nun waren sie also gezwungen zu lächeln, und die ganze Show samt Siegerehrung, Tanzeinlage, Liedbeitrag und zahlreicher Redebeiträge über sich ergehen zu lassen. Zum Unterschreiben auf dem großen Rock'n'Run Plakat urden sie vom Mayor - und wieder zahlreichen Kamerabesitzern - persönlich begleitet.

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Mit der Bitte um einen zukünftigen "female price" verließen die Volunteers letztendlich den Ort. Fast genau rechtzeitig zum Arbeitsbeginn um 8 waren die beiden wieder daheim - fit für einen 9h Arbeitstag mit 30 Kindern und mal wieder überrascht und fast peinlich berührt von der Gastfreundschaft, dem umgekehrten Rassismus, der Sonderbehandlung der Foreigners oder wie auch immer man dieses Phänomen nennen mag.

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