Ein wenig verspätet online: Ein Bericht über meine 2 Monate auf den Philippinen im diesjährigen Sommer =)

 

 

Bereits in Abu Dhabi beim Umsteigen ins Flugzeug nach Manila beschallten schmalzige Liebeslieder aus einem Laptop lautstark die Wartenden. Was Leute anderorts als Lärmbelästigung oder zumindest störend einstufen, wurde hier von den Landssleuten der Karaoke-Nation als willkommene Unterhaltung gesehen und nicht nur die Besitzerin des Laptops begann mitzusingen. Als nach einer Weile der Lautsprecher verkündete "Reisende mit Kindern bitte zuerst Boarden" standen viele der Wartenden auf und eine Frau beschwerte sich mit riesigen vorwurfsvollen Augen bei ihrem Mann, der sich versehentlich vor eine Mutter mit Kind gestellt hatte. Bereits 7000 km vor Manila war offensichtlich: es geht auf die Philippinen =)


In Metro Manila angekommen, wurde der Pilot bereits vor der eigentlichen Landung mit stürmisch-euphorischem Applaus und Jubel beglückwünscht. Was einem Tourist eventuell übertrieben vorkommen mag, wird eventuell verständlicher, wenn man am Immigration Eingang dann sieht, wie viele der Fluggäste sich am OFW-Schalter anstellen. Die sogenannten Overseas Filippino Workers arbeiten im Ausland, um ihre Familien in den Philippinen finanziell zu unterstützen – über 10 % der Bevölkerung verdient auf diese Weise Geld. Die Top 3 Länder sind USA mit über 3 Millionen OWFs, Saudi Arabien und Malaysia. Die Meisten arbeiten als Kranken- oder Altenpfleger, Hausangestellte, Seemänner, IT-Fachkräfte. Nicht selten kommt es vor, dass ein bestens ausgebildeter filippino Arzt nur als Krankenpfleger im Ausland arbeitet. Die Überqualifikation und die Trennung von Familien wird in Kauf genommen, für ein Haus aus Beton, Motorbike, Schulbildung oder ein Studium für die Kinder.
Von fernab der Familie und Heimat schicken OFWs jährlich über 17 000 Milliarden US Dollar ins Land. Populär sind die sogenannten Balikbayan Boxen: Umzugskartonartige Boxen um im Ausland erworbene Sachen der Familie zukommen zu lassen. Money Transfers in die Philippinen werden ungewöhnlich viele anageboten und auch das Kommunikationsgeschäft blüht mit speziellen Oversea Simkarten und Angebote für SMS und Anrufe aus und nach Übersee.
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Okay, genug dazu und zurück zu mir. Ich konnte mir jedenfalls so ein bisschen den euphorischen Jubel im Flugzeug erklären und hatte ein kleines schlechtes Gewissen, mit diesen vielen Menschen zu reisen die in diesem Flugzeug nicht als Touristen und zum Vergnügen saßen.


Im nächsten Flugzeug der philippinischen Airline nach Dumaguete tönten bis zum Abflug laut Katie Perry und Lady Gaga durchs Flugzeug, die allseits beliebte Chartmusik...fast hatte ich sie vermisst. Kaum abgehoben, begann das Entertainment der Stewardess, die nutzlose Werbeartikel durch ein Gewinnspiel loswurden, durch Fragen wie: „Wer kann am schnellsten ein Foto seiner Familie vorzeigen?“. Auf dem Rückflug wurde es noch spannender: eine Stewardess sang ins Mikrofon und die Passagiere mussten den Interpreten der Songs nennen.....ich bin mir fast sicher sowas kann es nur auf den Philippinen geben.
Unter all den unbekannten Gesichtern im Flugzeug und den ersten Brocken Cebuano die ich wiedererkannte stieg auch meine Vorfreude, Freund und Freunde wiederzusehen. Die Vorfreude hatte sogar noch über eine Stunde mehr Zeit, da mein Abhol-Kommitée zu spät zum Flughafen losgefahren war – es galt eben wieder „Filippino Time“.
  
Ich verbrachte also 2 Monate an der Tambobo Bay – mit einigen erfahrungswerten Unterschieden zum Jahr davor. Same same but different. Erster erfreulicher Unterschied war dieser hier:
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Unterkunft im Eigenheim à la filippino. Obwohl ich zuvor schon ein ganzes Jahr auf den Philippinen verbracht habe, war es eine neue Erfahrung mal wirklich ohne den westlichen Schnickschnack den es im Haus zuvor gab - wie Internet, Gasherd, Strom, Dusche, Toilette - eben einfach wie der Großteil der Bevölkerung - zu (über)leben.


Gekocht wurde bei Lola (Oma) 5min Fußweg nebenan auf dem Holzfeuer (Kochen auf nur einer „Platte“ dauert ganz schön lange!), Handy laden auch, Duschen und Wäsche waschen an der Wasserpumpe im Bambushain, auf das Klo gehen wir mal nicht näher drauf ein und um 6 ging die Sonne unter und Solar-Lampions und Öllampen an.

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Grundnahrungsmittel war natürlich Reis - was auch sonst. Reis zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Was dann dazu gegessen wird kann variieren, das wichtigste ist aber auf jeden Fall der Reis an sich. Ohne Reis kein Essen. (Außer wer sich Reis nicht leisten kann, der isst billigeren Mais.) In 7 Wochen haben ich und Zadam gute 25 Kilo Reis eingekauft und gegessen – letztendlich müssen aber noch die ganzen Einladungen addiert werden, durch die wir auswärts gegessen haben. Die Feierlaune ist vor Ort nach wie vor ungebremst und an Anlässen mangelt es dazu nie! Gleich am zweiten Tag war ich bei der Hochzeit einer Freundin eingeladen. Ein paar mal im Jahr gibt es Hochzeitstermine, die von der Kirche umsonst angeboten werden – dieser besagte Samstag zählte hierzu. Das hatte zur Folge, dass statt nur einem Brautpaar gleich fünf Paare vor dem Altar standen, drei davon Kombiniert mit einer Taufe. Überraschenderweise und zum Glück dauerte der Gottesdienst nicht länger als gewöhnlich. Es folgte natürlich ein anschließendes ausgiebiges Essen für alle Freunde und Verwandte der Familie mit Reis und vielen Beilagen.

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[Bild: Simone Andresen]

Dieses Fest war aber erst der Anfang des Feiermaratons: es folgte eine Woche später die Einladung zum zweijährigen Geburtstag des Kindes einer Bekannten, dann eine Taufe von der Enkelin einer Freundin von Zadams Familie, der Geburtstag von Zadams Vater, der Geburtstag einer Lola, die Taufe einer Nichte, der Geburstag des Patenkinds einer Freundin, der Geburtstag eines Onkels in Mindanao (Bericht folgt!), der Geburtstag des Cousins mit gleich zwei Feiern, und zu guter Letzt eine Einladung von meinem ehem. schweizer Mentor Chris.


Allein dadurch wurde es in den acht Wochen nie langweilig. Einladungen sind immer abwechslungsreich, man ist unterwegs, kommt in andere Häuser, bekommt gutes Essen. Mich hat zudem gefreut, dass ich mit meiner Herkunft bei fast keinem der Feste als Anlass für die Einladung galt, sondern einfach nur als ein Gast unter vielen.

 

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..... weitere Bilder und Stories folgen =)

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