Inseltrip
Letzte Woche haben wir genutzt, um von Samstag bis Dienstag ein wenig über die Insel zu reisen. Die gelben Ceres Liner-Busse fahren so gut wie immer und überall hin, daher haben wir uns nach der Arbeit Richtung Stadt aufgemacht, um weiter nach Bacolod im Norden zu fahren. Der letzte Bus war recht überfüllt, zum Glück waren wir rechtzeitig da und hatten einen Sitzplatz – besser gesagt eher einen halben Sitzplatz. Allgemein gilt das Prinzip: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Sitzplatz her. Seien es Holzschemel, die im Jeepney zwischen die Sitze gestellt werden, Plastikhocker und ausklappbare Zusatzsitze im Ceres, Tricycles mit Personen auf jeder möglichen Fläche, gekonnt konstruierte verlängerte Sitzbänke auf Habalhabals, nahezu gestapelte Kinder oder Passagiere auf Trittbrettern und Dächern. Nun zurück zu unserer Reise. Von der Strecke durch die Berge von der East an die Westcoast über Mabinay haben wir nicht allzu viel mitbekommen, es war Nacht. Über sechs Stunden saßen wir mal schlafend, mal essend auf unserem eher halben Sitzplatz, mit unserer Erkältung in der Zugluft der komplett geöffneten Fenster. Beim Beginn des Regens wurden sie geschlossen, der Regen kam trotzdem ein wenig durch die Fenster, vor allem bei Rechtskurven. Ich hatte einen Fensterplatz. Um 2 a.m. waren wir dann angekommen, weltwärts-Kollegen haben uns abgeholt und durch anschließende Feierei wurde der 24-Stunden-Tag erreicht. In Bacolod ging gerade das hier bekannte Masskara Festival zuende. Am Sonntag war Barangay Categorie, jedes Barangay [kleinste Verwaltungseinheit] präsentiert sich mit eigenen aufwändigen Tänzen, Fahren, Kostümen und viel lauter Musik in einer Show auf dem Plaza. Die anderen Freiwilligen hatten von irgendwoher Connections und Karten, um die Show von einer Art Tribühne anzuschauen, zwischen Fernsehkameras und Teleobjektiven. Madeleine und ich waren etwas zu lange shoppen und haben daher nur wenig mitbekommen, wir standen etwas außerhalb mit dem Großteil der anderen Zuschauer, haben die Musik gehört, die Fahnen herausragen sehen und ab und zu einen Teil der Tänzer zu Gesicht bekommen, die Kollegen auf der Tribühne gesehen und unsere Lanzones gegessen [50cent das Kilo und einfach eine geniale Frucht mit Suchtpotential!]. Dieses Bild hatte wirklich symbolischen Charakter. Wir haben dort in Bacolod erstmals den Stadt-Land Unterschied gemerkt, und waren ziemlich überrascht, wie sehr sich das Leben von uns Freiwilligen in den drei kurzen Wochen schon in verschiedene Richtungen entwickelt hat. In Tambobo sind wir mehr oder weniger gezwungen, uns anzupassen und einigermaßen wie alle Mitmenschen zu leben. Unsere weiße Hautfarbe führt zu viel Freude, Grüßen und Zurufen [vor allem in unserem geschätzten 95% männlichen Fischerdorf], bis hin zu größeren, jubelnden Gruppen an Basketball Courts. Man bekommt mehr Beachtung, das ist offensichtlich, jedoch hatten wir hier nicht wirklich einen exklusiven Vorteil dadurch. In der Stadt scheint sich dazu eher die Möglichkeit zu bieten. Als Americano [wie hier alle weiße gerne genannt werden] scheint man eine Art Freikarte zur oberen Schicht der Gesellschaft und auch einen funktionierenden Rechtfertigungsgrund zu haben..... Trotzdem waren wir natürlich happy viele der Freiwilligen zu sehen!
Wir bekamen montags eine Führung durch die West Negros Unsivertity, an der zwei weltwärtsler Arbeiten. Die sind dort wirklich top ausgestattet, von Großküche über Sportanlage, Basketball-Stadion, Universitätsbus, Zoo und Krakenhaus-Simulationsräume. Dort werden gute Ideen entwickelt, wie z.B. Bauelemente aus recycelten Plastikflaschen [Müllproblem ist hier allgemein ungelößt] und Beton herstellen oder ein Green-Campus-Projekt mit u.a. Pläne für Saatgutzüchtung. Mit dem besagten Universitätsbus sind wir gleich weiter gefahren zu Tony’s Fishfarm. Tony wurde uns vorgestellt mit „his family kind of owns the West Negros University“. Die Fishfarm war echt beeindruckend, eine Art künstliche quadratische Seenlandschaft mit einem wunderschönen Haus und Pool und wunderbarem Essen. Fisch natürlich! Da wir uns schon 2h südlich von Bacolod bafanden, haben wir spontan beschlossen bei unseren Lemonengras-Projekt-Freiwilligen in der Nähe zu übernachten. Sehr schöner kleiner Ort am Rande der Berge mit gemütlicher Bambushütte. Der perfekte Ausgleich nach dem eher stressigen Stadtaufenthalt! Wir wissen unser fliesend Wasser und unsere Dusche nun noch mehr wertzuschätzen! Am nächsten Morgen ging es wieder weiter mit dem Ceres Liner, nachdem wir mit einer Traube von ca. 20 Kindern einige Zeit auf den Bus gewartet haben. Die Kinder sind nicht mitgefahren, sie haben auch nicht geredet oder sonst was, sie standen einfach nur da und haben uns angeschaut. Faszination pur. Wir haben uns für die längere Stecke entlang der Westküste entschieden, da waren wir noch nicht. Es hat sich gelohnt! Es war ungelogen die schönste Busfahrt meines Lebens (bis jetzt). Wegen dem Taifoon waren die Wellen größer und schaumig, das Meer sah einfach genial aus! Ich hab es in der kurzen Zeit schon vermisst. Zur Rechten das Meer, zur Linken die Berge. Mal etwas oberhalb am Berg mit super Aussicht auf vorgelagerte Inseln und den Horizont, mal direkt am Wasser, mal durch Palmenhaine, Reis- oder Lemonengrasfelder, dazu Jack Johnson aus dem ipod....währrend dieser Fahrt hab ich ein sehr tiefes Gefühl von Dankbarkeit gespürt. Und ich hab mich auf daheim (Tambobo, einfach weil wir es in unserer Hütte so schön haben und ich nach dieser halben Inselumrundung gemerkt habe, dass es direkt in der Stadt nicht mein Ding wär) gefreut.