Letztes Wochenende haben wir einen Ausflug unternommen, von dem es sich zu erzählen lohnt. Per Motorrad sind wir zu acht von Tambobo Bay aus Richtung Norden aufgebrochen, Ziel waren die Hiligaon Falls. Bekannt sind diese Wasserfälle den wenigsten Filippinos und noch weniger Touristen. Ein Fluss mündet dort ins Meer und wird von mehreren von den Hängen fallenden Wässern flussaufwärts genährt. Bei Regen wird abgeraten dort hinzugehen, das Tal ist eng und es besteht Flooding-Gefahr, da das Wasser in den Bergen rasch ansteigt.

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So haben wir uns also aufgemacht dem Flusslauf zu Fuß zu folgen. Zuerst noch durch ein Dorf und über Äcker, dann irgendwann durch Wald und Gestrüpp. Da es die letzten Tage geregnet hatte war der Boden schlammig und zwang uns barfuß zu gehen, die Flipflops bieten nur an sonnigen Tagen ausreichend Halt. Eine gute Stunde dauert es normalerweise bis zu dem größten der Wasserfälle.

Der Weg endet nach einiger Zeit am Fluss, bzw. er setzt sich fort, allerdings muss man ihn sich selber fortsetzen denn er besteht er nur noch aus Felsen und Wasser. Andere nennen es wohl Canyoning und tragen dazu Neopren und Helm.
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Der Fluss erschwerte das Fortkommen ein wenig da das Wasser vermutlich an sonnigen Tagen normalerweise weniger und langsamer ist. Allerdings fing es plötzlich an wie aus Kübeln zu schütten, daher wurden wir ohnehin nass. So zog unser Trupp weiter flussaufwärts barfuß durch den Regen bis zu dem kleineren der Wasserfälle, der allerdings schon ziemlich eindrucksvoll war. Hier kamen die Ströme  von zwei Fällen zusammen, das rotbraune Wasser hatte ein gutes Tempo drauf, sammelte sich hier und da in Strudeln und schäumte weiß . Unser nächster Programmpunkt war erst mal Mittagessen.  Reis, Hühnchen, Fisch, der Geschmack ein wenig verdünnt vom anhaltenden Regen. Mehrmals mussten wir weiter vom Wasser rücken, weil dieses höher wurde und unsere Füße umspülte. Als wir fertig waren gurgelte an unserem  Patz an dem wir angefangen hatten zu Essen nur noch das braune Wasser, das jetzt auch Äste und Zeugs mit sich führte.

Hier ein vorher-nachher Vergleich der gleichen Stelle, dazwischen liegen ca. 20 min:

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Was ich schon vermutet hatte wurde bestätigt – der einzige Weg zurück über den Fluss war nicht mehr möglich. Sagte ich einziger Weg? Den „offiziellen“ Weg meine ich natürlich, denn uns blieb gar nichts anderes übrig als unseren eigenen Weg zu bahnen, der mit gefühlter 90% Steigung den Hang durch Gestrüpp und Tropenwald hinauf führte. Wohin genau, das war unklar, weg vom Fluss jedenfalls. Wir hatten zu unserem Glück ein Seil mitgebracht, so dass wir nicht nur auf die aufgeweichte Erde und Wurzeln angewiesen waren. Es war bereits später Nachmittag und vor meinem geistigen Auge habe ich mir angefangen zu überlegen wie das wohl so ist eine Nacht völlig durchnässt im freien zu verbringen…auf dem Hinweg haben wir eine Höhle gesehen…
Nach einer ganzen Weile Falllinie aufwärts lichtete sich der Wald und wir fanden uns auf einem freien Hang gegenüber dem Wasserfall wieder. Der Blick reichte bis zum Meer und der Ebene, in der sich der angeschwollene Fluss seiner Mündung entgegenschlängelte. Ein bisschen wie in Herr der Ringe kam ich mir vor, als wir da so barfuß wie die Hobbits ins weite Land blickten, das entfernte Ziel bereits vor Augen.

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Ein bisschen weiter ging es noch bergauf und auf einmal war er da: ein Weg! Wie schon so oft finde ich es verblüffend hier, dass ich selbst wenn ich glaube im Nirgendwo zu sein Menschen begegne die ganz selbstverständlich umherwandeln auf dem Weg nach Hause oder zu ihrem Acker. Es ist für ein ungeübtes Auge oft nicht sichtbar, doch große Teile der Landschaft sind bewohnt oder bewirtschaftet, auch wenn sie auf den ersten Blick wie wildes Brachland wirken.
Menschen begegneten wir zwar noch nicht, trotzdem war der Weg eine Erleichterung und wir begannen unseren Abstieg Richtung Dorf und Motorräder. Der Weg war nach wie vor schlammig und diente auch dem Wasser dazu nach unten zu kommen. Doch es war immerhin ein Weg der uns schließlich noch vor Sonnenuntergang ins Dorf zurückführte. Die Leute von Hiligaon schauten uns ein wenig verwundert an und fragten nach, ob es denn viel Wasser sei in den Bergen. Wir antworteten mit Ja.

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Das war also die Geschichte von den Hiligaon Falls in der Regenzeit. Die Pläne nochmals zu den Wasserfällen zu gehen bestehen, allerdings waren wir uns einig bei besserem Wetter, dann hoffentlich auch zum Baden und entspannen. Ein Grund mehr ist die Rückgewinnung unserer Flipflops, die Zadam, seine Schwester und ich vermeintlich klug hinter einem Stein auf dem Hinweg versteckt haben, um sie auf dem  (selben) Rückweg wieder mitzunehmen.


Nun mag dem ein oder anderen das Geschehene als riskant oder gar gefährlich erscheinen. Ich muss gestehen, auch mir war nicht immer ganz wohl zu Mute. Doch ich denke ich war -was das betrifft- die Einzige, daher konnte auch ich meine worst-case-Gedanken halbwegs ignorieren. Ausserdem ist ja gar nichts schlimmes geschehen, wir hatten zudem sehr Glück dass wir nicht dieses Wochenende unterwegs waren, denn das Internet berichtet gerade heute aus dieser Gegend von andauerndem Regen, umgestürzten Bäumen, Erdrutschen, gestrandeten (heißt das so in deutsch?) Leuten und Armee im Hilfseinsatz.

In diesem Zusammenhang will ich unbedingt noch ein paar Worte zur Stimmung verlieren, denn diese war die ganze Zeit über super. Es wurde gescherzt über den Fernsehbeitrag über unsren Trupp auf dem GMA News Kanal und unsere Wanderung wurde begleitet von diversen mehr oder weniger aktuellen Hits mit Titeln wie „Where are you now“  und „Singing in the Rain“. Auch ich habe mich beim Singen ertappt.


Dieser natuerliche Optimismus ist eines der vielen Dinge die ich hier bewundernswert finde. Das klingt jetzt ein bisschen nach Vorurteil von wegen Filipinos lachen so viel, sind freudige, gastfreundliche, positive Menschen und so weiter. Doch wie sonst soll ich es beschreiben, wenn hier unser Erlebnis als „Adventure“ beneidet wird, wer lange Strecken laufen muss es lächelnd „exercise“ nennt und man eine „diet“ macht wenn gerade kein Essen im Haus ist.

Auch Vorurteile kommen nicht aus dem Nichts und spiegeln sich ganz klar in Individuen wieder. Ob diese der Mehrheit angehören sollte jeder stets hinterfragen. Das gefährliche ist dabei die Verallgemeinerung die schnell zu Voreingenommenheit führt, was besonders bei negativen Vorurteilen vielen Menschen Bretter vor die Köpfe nagelt, die sie im schlimmsten Fall nicht einmal bemerken. Was für ein Satz.

Daher will ich nicht verallgemeinern, aber berichten was ich erlebe. Wie wir Dinge sehen und sehen wollen ist eine Frage der Perspektive und Einstellung. Von diesen gibt es so unglaublich viele Variationen und jede einzelne hat ihre Geschichte und Berechtigung. Wer nur nach seinem eigenen Maßstab lebt und urteilt dem fällt nicht auf, dass die Skala mehr kann als eins bis Zehn, andere die Zahlen darauf nicht verstehen und wieder andere ihn als Kochlöffel benutzen.

 

Zum Abschluss gibts noch das passende Audiovisuelle Produkt mit heldenhafter Musik:

 

 

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