Was ich dieses mal auf den Philippinen so mache?
Um dem eventuell vorhandenen Gedanken entgegenzuwirken ich liege den lieben lagen Tag in einer Hängematte und schlürfe durch einen Strohalm den Saft grüner Kokosnüsse will ich ein paar Zeilen über meinen Arbeitsalltag verlieren.
Von Montag bis Freitag verbringe ich den Großteil des Tages in einer kleinen Firma auf dem Campus der Universität. Die Firma besteht aus drei Abteilungen – Web Programmierer, Architekten und Animatoren. Bei letzteren bin ich mit im Team.
Gleich am ersten Tag bekam ich durch Zufall den Auftrag ein animiertes 3D-Logo-Intro für Videos der Negros Athlethic Association (NAA) zu erstellen. Die Videos sind auf deren Homepage zu sehen und werden von Studenten der Universität produziert. Danach konnte ich mich auch der 2D Animation widmen, an der ich trotz meines Anfängerniveaus gefallen finde. Ich verbinge im Moment noch Zeit damit mich in Flash und klassische Animation einzuarbeiten, einige bisherige Ergebnisse sind diese hier:



Ich bewundere meine Kollegen, die unglaublich viel Zeit an ihren iMacs und Laptops verbringen, manchmal sogar im Schlafraum der Firma übernachten und im Gegensatz zu mir auch samstags arbeiten. Einige haben zusätzlich zur normalen Arbeit noch online-Kunden aus aller Welt, für die sie bis spät in die Nacht weiterprogrammieren. Erst letzte Woche kam eine Frau von der Verwaltung vorbei, um alle in strengem Ton zu erinnern geschlossene Schuhe, lange Hosen, nicht zu viel Schmuck, Hemden mit Kragen und als Mann keine langen Haare zu tragen. Wer nur fünf Mal im Monat zu spät kommt bekommt eine Belohnung. Danach gab es noch praktische Ratschläge wie die bezahlten Überstunden reduziert werden sollen, die anscheinend langsam zu teuer werden. Der erste Ratschlag war weniger Filme während der Arbeitszeit schauen, der zweite weniger Facebook. Bestimmt hat sie Recht die gute Frau, doch dafür würde der Spaß fehlen, den alle haben wenn mal wieder jemand ein lustiges Video entdeckt hat und sich das ganze Team –angelockt von dem vergeblichen Versuch Lachen zu unterdrücken- nach und nach vor dessen Bildschirm zusammenfindet und das Video so oft wiederholt wird bis es auch der Letzte zu Gesicht bekommen hat.
Wie ich schon während meinem Jahr als Freiwillige feststellen konnte ist der Arbeitsplatz auch hier für viele ein zweites Zuhause und die Kollegen eine zweite Familie. Auch die wenige Freizeit verbringen Kollegen oft zusammen, es wird zusammen gegessen, zusammen Ausflüge gemacht, zusammen Karaoke gesungen, beim Sandburgen-Wettbewerb teilgenommen, Volleyball gespielt und ganz wichtig natürlich - zusammen gefeiert.
Letzteres konnte ich in der kurzen Zeit in der ich erst hier bin bereits mehrmals miterleben. Wer Geburtstag hat steht in der Pflicht Essen für alle zu organisieren. Je nachdem wer Geburtstag hat gibt es einfache Nudeln mit Toastbrot oder auch mal Pizza, Eis, Chips und riesige Torte gleichzeitig. Unabhängig vom Essen ist es die Geste, die zählt. Auch Ehemalige fühlen sich nach wie vor der Firma verbunden. So kam ich bereits mit dem ganzen Team zur Fiesta im Vorort von Dumaguete zum Spanferkel (bzw. das wenige was nicht aus Fleisch bestand) essen, eingeladen hatte ein ehemaliger Schüler der Universitaet. Dann gab es noch Essen bei dem Geburtstag der Mutter eines ehemaligen Mitarbeiters, ich kenne zwar weder ihn noch die Mutter doch das ist noch lange kein Grund sich nicht eingeladen zu fuehlen. Gefallen hat mir an diesem Geburtstag (neben dem Essen natürlich), dass auch der Security Guard der Universität und Freund der Familie eingeladen war. Tag ein Tag aus steht er bewaffnet in Uniform vor dem Haupteingang und mustert alle das Gebäude Betretende, kontrolliert Dresscode und Ausweise und führt auf die Minute genau Buch über kommende Besucher. Doch an besagtem Geburtstag schlappt der ältere Mann in Flipflops und weiter Hose gelassen zum Buffet, und hört gar nicht mehr auf Scherze zu machen als er sich neben uns auf das Sofa setzt. So bilden doch alle eine Gemeinschaft auf Augenhoehe, in der auch ich mich gut aufgenommen fühle. Nächstes Wochenende ist mit allen ein Ausflug in die Berge geplant - Eine Kollegin feiert Geburtstag.