[written in the morning of november 9]

Es regnet, ich wollte nicht aufstehen weil mir kalt war und jetzt sitz ich im Pulli hier. Wollte ich nur mal erwähnt haben weil das eine absolute Besonderheit darstellt. Nicht der Regen, aber dass mir kalt ist.

Erst gestern Abend sind Madeleine uns ich von einem Wochenende nahe Kabankalan zurückgekehrt. Unser Kollege Tobi lud zu seiner Despededa ein, er sitzt jetzt nämlich schon wieder irgendwo wahrscheinlich frierend in der Eiffel. Gleich nach 8 Stunden Learning Center folgte die 7 Stunden Reise mit HabalHabal, Ceres Liner, Tricycle und Fußweg ins kleine verregnete Bergdörfchen an der Westcoast. Die Nachtfahrt durch die Berge bestand eigentlich nur aus Kurven. Die von Coca-Cola gesponserten Schilder „Drive Slow“ scheint der Fahrer zu ignorieren. Kaum ist man nach rechts abgebogen, geht’s schon wieder links, die vorne angebrachte Aufforderung „Please fasten your seat belts“ wirkt geradezu ironisch, gerne hätte ich einen gehabt. Trotzdem schafften es einige, während der Fahrt zu schlafen, hat man allerdings einen Platz am Gang so wie ich, wird das nahezu unmöglich. Die Sitze sind immer ein wenig kleiner als für eine Person [selbst für pinoys], daher sitzt man am Gang nur noch zu ca. 60 Prozent.

negros gross2

[nur mal eben zur Orientierung an alle Verwirrten. Wir sind ganz unten bei Siaton.

Kabankalan liegt mittig links, "unsere" größere Stadt Dumaguete unten rechts.]

Die Lemongras Farmer [aus Tobis Projekt] des ganzen Orts waren anscheinend anwesend, anscheinend wurde vor unserer Ankunft bereits viel Tanduay Rum vernichtet und anscheinend hatte keiner ein Problem im Matsch zu tanzen und mit der Musik. Am späteren Abend bzw. früheren Morgen waren wir nur noch im kleinen Kreis in der Hütte, andere Volunteers und Locals aus Bacolod City, dazu zwei Gitarren und ein Österreicher mit einer Stimme als würde er mal berühmt werden.

Sonntags zog er dann dahin, unser Lockenkopf Tobi mit dem Seesack. Total absurd so eine Vorstellung, wenn man auf der Bank vor der Bambushütte sitzt, vom Nachbar Reggaebeats aus Boxen schallen, die fast größer als die Hütte selbst sind, dazu die Hähne krähren, am Tor einer auf einem Carabao-Büffel vor dem Zuckerrohrfeld vorbeizieht und man beginnt, die morgendliche Hitze zu spüren....dann jedenfalls sich vorzustellen dass einer in 2 Tagen zurück im kalten Deutschland sein wird. Mega absurd!

Wieviele Personen passen in einen PKW? Fünf? Falsch. Zu acht fuhren wir in die Stadt zur Eaterie. Eateries sind super, es gibt sie überall. Verschiedene Töpfe/Platten/Schüsseln mit Nudeln [mit Fleischstückchen], Reis, Fisch, Hühnchen, Fleisch, Gemüse [mit Fleischstückchen], Frittiertes, wasweißich.... (mit Fleischstückchen). Man kann sich sein Essen zusammenstellen lassen und schafft es dabei kaum, über 50 Peso auszugeben. Kein Euro. Selbst als Vegetarier wird man satt. Mit Sojasoße schmeckt sowieso alles. Wer auch immer diese Soße erfunden hat, er/sie war genial! Unser fast halber Liter für 30cent neigt sich schon wieder dem Ende zu. Schon Reis alleine wird durch Sojasoße geschmacklich zu einer vollwertigen Mahlzeit ergänzt, ich liebe diese Soße!

Irgendwo in den Bergen sollte es angeblich einen Wasserfall geben, wo man angeblich super baden kann. Nichts wie hin, dachten sich 2! [Korrektur von Madeleine] deutsche Volunteers nach dem Essen. Die Jeepneyfahrt im endlosen Regen erhöhte die Vorfreude nur gering. Die anschließende Tricycle-Fahrt ins Nirgendwo wurde durch einen recht schnellen Fluss, der die Straße überquerte, bzw, das was von ihr übrig war frühzeitig beendet.

roadNachdem Jake’s Rückgeld bereits mit dem Jeepney Richtung Osten weitergefahren war hatte Madeleine während der Regen-Tricyclefahrt ihr Handy an einem der hundert Schlaglöcher verloren [was aber wieder gefunden wurde]. Den Wasserfall haben wir nicht gesehen, gebadet auch nicht, aber wir sahen wenigstens so aus. Die Stimmung war die ganze Zeit gut, das Ganze fällt unter die Kategorie „Sinnlos aber gut“, mit ein wenig Humor lässt es sich leichter leben, auf jeden Fall.

PB083750

Nach zwei Nächten auf dem höhergelegenen Bambusboden [verwirrend wenn plötzlich unter einem ein Huhn Geräusche von sich gibt!] ging es wieder südwärts, beschenkt mit Blumen und einem Armband vom aufgeweckten kleinen Nachbarjungen [der aus Kokospalmenblätter Armbänder und Billen machen kann :D].

PB073729

Meine Lieblingsbusstrecke, nach wie vor. Grün. Wenn man rausschaut sieht man manchmal einfach überall nur grün und trotzdem wirkt es bunt. Interessant, wie beschränkend Sprache sein kann, die so viel Vielfältigkeit in nur einem Wort zusammenfasst. Jaja, solche tiefgründigen Gedanken kommen einem hier. Abends gegen Sonnenuntergang noch wunderschönes Licht. Ich hätte die ganze Zeit Fotos machen können, aber Fotos machen lenkt oft ab vom eigentlichen Moment. Manchmal ist einfach nur Anschauen uns Genießen das Beste :)

fahrt-Kopie-1.JPG

 

sipalay

[ich hab trotzdem ein paar wenige Bilder gemacht :P]

PB083781

What else happened…

 

Das vorige Wochenende gab es wieder einen Ruder-/Schnorchel-/Angel[erfolglos]-/Milkshake im Beachresort- Ausflug mit Tobi, Jake und Dingi.

DSC00873

Abends sind wir zum ersten mal hier weggegangen. Zu Petron, der Name einer Tankstellenkette, aber an diesem Tag auch Veranstaltungsort. Bühne, gebührenpflichtige Tische, Leute ohne Ende, Bier und Disko und Live-Coverbands, deren Lieder zum Teil besser sind, als das Original. Selbst von mir verhasste Chartlieder [die hier einfach überall und zu jederzeit jeder singt] werden mit einem Reggaebeat unterlegt, es wird ein kleiner Rappart eingebaut und schon klingt es gut. Viel Platz zum tanzen, aber keiner tanzt. Bis wir anfangen, drei Weiße und ein paar Philippinas/os, im Licht, vor Hunderten von Leuten. Wir hatten unseren Spaß, immer mehr Leute am tanzen, 3 Stunden im Regen, nass bis auf die Knochen. Bei dem Event handelte es sich um das landesweit gefeierte San Miguel Oktoberfest, dessen Plakate uns schon in Manila aufgefallen sind. San Miguel überall. Der Biertrink-Wettbewerb durfte nicht fehlen, als Vertreter der Weltwärtsfraktion gewann Jake [in der Runde ausschließlich für Väter, wie wir danach erfuhren]. Irgendwann ging es dann zurück, mit Motorcycles, auf Unserem truly pinoy [ganz philippinisch] zu fünft. Seit dem kennt uns mindestens halb Siaton, alle Habalhabal Fahrer wissen schon wo wir hinwollen und der Abend hatte einige neue Textmates [hier äußerst beliebt!] zur Folge. Einer der neuen Bekanntschaften ist auch ein halb deutsch – philippino. So viel unglaubliches an Zufällen in einer Person vereint ist schon wirklich seltsam: er kommt aus Nürnberg, wie Madeleine. Er hat für die Modemarke Bench gearbeitet. Wie Madeleines Nachname. Und das Beste: er heißt mit Nachnamen Kugler! Wohnt hier in Siaton, echt Sachen gibt’s....er meint unser Habalhabal Fahrer wäre sein Onkel, dieser ist aber auch der Cousin von Betty, einer früheren Mitarbeiterin in den Learning Centers in Bonbonon. Ein anderer Cousin von einer anderen Kollegin arbeitet im Beach Resort gegenüber der Bucht von uns und hat uns eingeladen mal zu kommen, der wiederum hat uns irgendwelchen anderen Cousins vorgestellt, und wenn es mal kein Cousin war, so handelte es sich zumindest um einen High School class mate. Jeder kennt jeden und irgendwie sind auch alle verwandt, und ich bin jetzt quasi auch mit allen verwandt haha :D

 

Genauso merkwürdig ist das Grüne Tor. In Burkina Faso hatten wir ein grünes Tor, dann sind wir in die Grüntorstr. gezogen, unser neuer Garten hat ein grünes Tor und hier, wie könnte es anders sein, haben wir auch ein grünes Tor :)

Ebenfalls neu an diesem Wochenende war für uns die Erfahrung von einer gewissen Unsicherheit im Eigenheim. Eine verblüffend schnell rennende Gestalt im Schein unserer Taschenlampe, fehlende Unterhosen von der Wäscheleine, Finger im Badfenster. Ziemlich dreist. Das Fenster bleibt jetzt öfters geschlossen und die Unterwäsche wird im Haus aufgehängt. Man sollte sich nicht verrückt machen, trotzdem natürlich ein komisches Ereignis.

PB023625Diane, unser Boss hatte ihren 62. Geburtstag. Die Kinder haben Karten und ein Poster mit Glückwünschen erstellt, die zu D, A, A, D, D, G, D, A, D Akkorden in Empfang genommen wurden. Madeleine fertigte experimentweise mit unserem Ofen [Metallbox die man auf die Gasflamme stellt] einen Kuchen an. Reaktion: große, gerührte, kaum enden wollende Freude über alles.

 

Unser Mentor und unsere Programm-Managerin aus Manila waren letzte Woche zu Besuch. Kaffe und Kuchen, viel geredet, gemerkt, dass nicht nur wir unsere Chefin als extrem amerikanisch kontrollierend einstufen, spontane Einladung ins Restaurant Edelweiß in Dumaguete, Kässpätzle, Kartoffelsalat und Wiener Schnitzel. So sauber wie im Moment und anlässlich dieses Besuchs war das Haus vermutlich nicht mehr seit dem Bau letztes Jahr.

PB043715

[große Putz-Wasch-Aktion]

küche

[und das Ergebnis!]

Damals beim Bau wurden übrigens menschliche Skelette gefunden, angeblich war hier auf dem ganzen Gelände einst ein Chinese Cementery. Woanders wäre das eine riesige Attraktion für Archäologen und Medien, hier scheint das nicht im Geringsten zu interessieren. Genauso wenig, wie die Überreste der aus der spanischen Kolonialzeit stammenden Steinstraße und die Mauern des spanischen Klosters mitten in Bonbonon.

PA273044Ab und zu grast ein Carabao zwischen den eingewachsenen Säulen, jemand hat sein altes Porzellanklo dort entsorgt. Archäologie scheint mehr eine Art Wohlstandshobby zu sein.

Auf den Friedhöfen war letzte Woche allgemein Hochbetrieb, am All Saint’s Day und am Tag darauf sind alle bei ihren Familien und pilgern geradezu auf die Friedhöfe. Öffentliche Transportmittel sind gut belegt. Selbst im kleinen Örtchen Bonbonon, überall Motorräder und Menschen. Vor den Häusern werden Kerzen für die Verstorbenen angezündet, nach Sonnenuntergang eine sehr schöne Stimmung.

Auch für Beerdigungen lassen sich hier unglaublich viele Menschen mobilisieren. Ich durfte das nun schon zweimal beobachten.

burial

Stirbt jemand, so wird der Sarg langsam zum Friedhof transportiert, mit einem unglaublich langen Gefolge von Motorbikes, gemieteten Jeepneys, Bussen und Lastern mit stehenden Menschen auf den Ladeflächen, bunten Regenschirmen gegen die Sonne, irgendwo mittendrin noch Blumengestecke. Jeder, der in der Familie ein Vehikel besitzt, scheint zum Fahrer zu werden. Beeindruckendes Schauspiel, auch weil es ungewöhnlich ruhig ist obwohl so viele Menschen vorbeiziehen.

 

PB033711.JPG

Einen lieben Gruß nach Deutschland und co :)

Zurück zu Home