Einen Blog über Philippinen bei einem Eintrag über Vietnam stehen zu lassen – das geht ja nicht! Ich hab noch so viel zu sagen! Daher hier der erste Teil meiner Rückblick-Reihe auf lilith-on-the-islands:

 

Ich bin nun beinahe 6 Wochen wieder im Land, am 6. September verließen wir die Insel, „unsere“ Insel Negros nach vielen Abschieden, Tränen und „happy trip“ Wünschen, und nach einigen Seminartagen dann auch Metro Manila - und damit den liebgewonnenen Inselstaat. Im September verbrachte ich eine Abschlussseminar-Woche in Hessen – damit ist mein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst bei der GIZ offiziell beendet. Das Jahr ist beendet, doch die Erfahrungen sollen prägen fürs ganze Leben, so der Entwicklungsminister Dirk Niebel:

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Momentan finde ich es ein wenig kalt hier, ich bin nicht mehr gewohnt zu frieren, das Meer fehlt und gerade zu dieser Jahreszeit spielt sich umso mehr Leben im inneren der gemauerten Häuser ab – was im großen Kontrast zum belebten Buchtalltag kontaktfreudiger, geselliger Menschen steht. Das Umfeld, die Menschen sind weg – bzw ich bin weg. Was bleibt, und was weiterarbeitet, ist vieles in mir drin, Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich als unglaublich wertvoll ansehe und über die ich sehr sehr dankbar bin. Und es gibt ja zum Glück facebook, was auf den Philippinen überraschend weit verbreitet ist - jedenfalls viel weiter als das Internet selbst!

Die meist und zuerst gestellte Frage von bekannten Gesichtern lautet: „Und wie war’s auf den Philippinen?“ .

Ja Lilith, wie wars denn? Wie soll ich zwölf Monate Eindrücke, Arbeit und Erfahrungen in einem so weit entfernten Umfeld mal eben so in einen Antwortsatz packen? Meistens sage ich „Gut.“ „Schön.“ „Viel erlebt.“ – eben genauso tiefgreifend wie die Frage an sich.

Die Antwort ist einfach zu komplex, um sie in Worte zu fassen. Trotzdem versuche ich für alle, die es wirklich interessiert, im Folgenden eine Art Resumee zu ziehen.

Ich werde ab und zu "Zitate" aus meinen 3monatlichen weltwärts-Berichten mit einbinden, da ich dort bereits geschildert habe, was ich nicht noch mal besser formulieren könnte.

 

P1014075.JPGEine wichtige Erkenntnis, die ich mal als erstes anführe: Unglaublich, wie wenig man als „gewöhnlicher“ Tourist von einem Land und seiner Kultur wirklich mitbekommt!

Jemand geht auf die Philippinischen Inseln im Pazifik. Was kommt einem da als erstes in den Sinn? Welches Bild erscheint vor dem inneren Auge?

Ich könnte schwören, in ungefähr werden genannt werden: paradiesischer Strand, Meer, Bikini, Sonnenbaden, Hängematte unter Palmen, Strohhalm in der Kokosnuss, romantische Sonnenuntergänge, Schnorcheln zwischen bunten Fischen, atemberaubende Landschaften vor azurblauer See, .......Das Pendant zum heißen, exotischen, verarmten und von Kriegen und Hungersnot leidenden Safari"afrika"bild.

Das alles will ich gar nicht bestreiten, denn das gibt es tatsächlich! Üppige Natur, für uns exotische Szenarien usw. siehe links die 4 Bildchen. Dies ist ein Ausschnitt, der nicht falsch, aber durch seine äussert eingeschränkte Richtung ein verfälschtes, unvollständiges Bild vermittelt, das durch viele Medien und die Tourismusbranche (im Falle "Afrika" durch viele Hilfsorganiationen) aufrecherhalten und immer wieder neu bestätigt wird. 

 

Natürlich hängt viel ab von der individuellen Vorstellung eines Urlaubs, von persönlichen Zielen, von der eigenen Art zu reisen, inwiefern man sich einer Kultur annähert und annähern will. Es ist gutes Recht, sich auf seinen sonnigen Resort Urlaub im Bikini in der Hängematte mit Mangomilchshake in der Hand zu freuen. Klar, würd ich mich auch, ich will niemandem was vorwerfen.

Doch wer danach die Frage gestellt bekommt „Wie sind die Philippinen?“, sollte fairer Weise eigentlich sagen: Ich weiß es nicht.

Denn welcher Filipino/Filipina würde sich schon freiwillig in die brennende Sonne legen? Bikinis erregen am falschen Ort ein enormes Aufsehen und ziehen duzende Augen auf sich, und ein Liter Milch im wahrscheinlich weit entfernten Supermarkt kostet einen halben Tageslohn.

Man kann noch so vielen im Reiseführer deklarierten Insider Tips nachgehen und "real local guides" anheuern – als Tourist bleibt man doch irgendwie immer „nur“ Tourist.

Das soll jetzt jedoch keine Kritik darstellen, sondern einfach verdeutlichen wie sehr ich meine Auslandserfahrung als Möglichkeit schätze, wirklich mit Leuten in Kontakt zu kommen, Freunde zu finden, nicht veröffentlichte Insidertips zu erhalten und Zeit zu haben, zu verstehen, zu beobachten, zu lernen und nachzuvollziehen. Das ist alles.  

 

Was ich vermisse ist meine filippinische Familie. Mit Familie meine ich alle Menschen, die ich über die Zeit sehr lieb gewonnen habe, und die überraschender Weise tatsächlich alle irgendwo irgendwie verwandt sind. Wir wurden quasi adoptiert – oder sagen wir akzeptiert und toleriert, was ich als „foreigner“ als große Ehre empfinde. Wir hatten Tante, Onkel, Schwester, Bruder, Oma, Opa,...

 

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„Wir sind immer noch weiß und blond, aber als gut kulturell integriert würde ich uns durchaus bezeichnen. Ich habe oft das Gefühl, wir sind nur zum schlafen zu Hause und sonst immer unterwegs und zusammen mit Kollegen und Freunden, die mittlerweile wie eine Familie geworden sind, mit denen ich vermutlich mehr unternehme, als mit Freunden und Familie zusammen in Deutschland.“ (März 2O11)

 

Dies haben wir weitgehend unserem ländlichen Einsatzplatz zu verdanken. Denn sobald wir das bekannte Umfeld verließen, waren wir wieder „Hey gwapa!“ „I love you!“ “What’s your name!” “Hey, where are you going!”, doch „zu Hause“ fühlte ich mich wahrgenommen und geschätzt als Mensch, ich als Lilith und nicht nur als foreigner/tourist.

 

„Was mir schon seit unserer Ankunft aufgefallen ist und immer wieder auffällt, ist die besondere Behandlung von uns Ausländern. Manche würden es wohl große Gastfreundschaft nennen und genießen, wenn sie vom Kongressabgeordneten zum Essen eingeladen werden oder bei einer Veranstaltung aus dem Publikum herausgerufen werden, um den Ehrenplatz neben dem Mayor zu bekommen und in seiner Rede begrüßt zu werden. Einerseits finde ich diese Gesten schön, da mir gezeigt wird, ich werde hier respektiert als Ausländer (besser als andersherum!).

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Wir erinnern uns an den Fun Run im April.


Andererseits, nach neun Monaten hier komme ich mir selbst nicht mehr allzu fremd vor, nur an den Reaktionen und Verhalten Anderer werde ich immer wieder daran erinnert, dass ich von außen betrachtet ja doch eine "andere" bin. Da ich mich aber innerlich schon eher gleich, gleichberechtigt und dazugehörig fühle, fällt es mir mittlerweile schwer, solch eine Sonderbehandlung ohne die Frage im Kopf "Warum denn eigentlich?" und einem Hauch schlechten Gewissens zu akzeptieren. Glücklicherweise überwiegt hier auf dem Land allerdings der Alltag im gewohnten Umfeld, wo dieses Phänomen nur selten auftritt.“(Juni 2O11)


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„Zudem fiel auf, dass man überall wo man hingeht als AusländerIn erkannt wird - was ja auch nachvollziehbar ist - aber man in einem fremden Land immer irgendwo mit Vorurteilen zu kämpfen hat. In diesem Fall ist die Behandlung von uns allerdings positiv, mehr Aufmerksamkeit, Komplimente, Respekt, manchmal fast ehrfürchtig ... ich frage mich wie schlimm es sein muss, wenn man als Ausländer in einem fremden Land nicht akzeptiert wird? Mir ist aufgefallen, dass man als Ausländer in den Philippinen diese (verdient oder nicht verdiente) besondere Stellung nutzen kann, genauso gut kann und wird sie aber auch von vielen ausgenutzt.“(August 2O11)

 

"Für mich persönlich war genau das ein Ziel: mich soweit es denn geht anzupassen und nichts mit meiner Hautfarbe und Stellung als Äusländerin rechtfertigen zu müssen/wollen." (Dezember 2010)

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